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der Kolpingsfamilie Brühl 1870 e.V.


Chronik

Am 10. April 1870 vollzog eine Gruppe aufgeschlossener Brühler Bürger die Gründung des katholischen Gesellenvereins Brühl.

Mit dieser Gründung fanden die Gedanken und Ideen Adolph Kolpings in Brühl Eingang und der katholische Gesellenverein Brühl wurde sichtbarer Träger derselben.

Seitdem sind 125 Jahre vergangen. Die Gründung von damals hatte Bestand. Sie hat vielleicht nicht die Ziele erreicht, die ihren Gründern vorgeschwebt hatten, aber sie ist ihrer Zielsetzung treu geblieben und kann trotz mancher Rückschläge und mancher Enttäuschungen auf weit mehr als ein erfolgreiches Jahrhundert ihres Bestehens zurückblicken.

Adolph Kolping und sein Werk sind nur aus den Gegebenheiten des neunzehnten Jahrhunderts zu deuten. Das der französischen Revolution und den Freiheitskriegen folgende Jahrhundert ist als die Zeit einer Liberalisierung aller religiösen Grundlagen, einer Zeit nationalstaatlicher Verengung des Denkens, einer Zeit der Industrialisierung der Wirtschaft und schließlich einer Zeit der vollständigen Umschichtung unserer gesamten Sozialstrukturen in die Geschichte eingegangen.

Die Industrialisierung auf der Grundlage eines rücksichtslosen Kapitalismus hatte die wirtschaftliche Verelendung der Arbeiterschaft und zwangsläufig deren Kampf um ihre soziale Gleichberechtigung zur Folge. In dieser Zeit der allgemeinen Verwirrung und Entwurzelung haben in Deutschland drei Männer mit nachhaltigem Erfolg versucht, der Arbeiterschaft in ihren Anstrengungen um eine neue, gerechte Ordnung neue Wege zu weisen. Friedrich-Ludwig Jahn (1778-1852) als Turnvater in die Geschichte eingegangen, ging von der Leibeserziehung aus und versuchte, Turnen als Mittel zur Nationalerziehung, als Weg zum vollen Menschentum populär zu machen. Karl Marx (1818-1883), Theoretiker einer neuen Gesellschaftsordnung auf materieller Grundlage predigte die Überwindung der Klassen durch revolutionäre Maßnahmen auf ökonomischem Gebiet.

Ganz anders ging Adolph Kolping (1813-1865) vor. Er, der als Handwerksgeselle einmal selbst der unteren Klasse angehörte und deren Not und Elend am eigenen Leibe erfahren hatte, war Priester geworden und versuchte nun, rnehr durch die Tat als theoretische Abhandlungen dem ganzen Menschen in seiner körperlichen und selischen Not zu helfen. Ihm ging es um eine Erziehung und Bildung der Arbeiter nach christlich-sozialer Ausrichtung.

Gründungspräses Kaplan LoerperEinen jungen Priester, der von den Ideen Adolph Kolpings erfaßt und begeistert war, hatte es 1864 als Vikar nach Brühl verschlagen. Es war der am 18. Februar 1838 in Korschenbroich geborene Johann-Heinrich-Josef Loerper. Am 2. April 1864 in Köln zum Priester geweiht, trat er am 30. Mai 1864 seine erste Kaplanstelle in Brühl an. Brühl stand damals im Zeichen der beginnenden Braunkohlenindustrialisierung. Als Pfarrer in Brühl amtierte Dechant Laurentius Berrisch, der den sozialen Fragen seiner Zeit sehr aufgeschlossen gegenüberstand.

Dechant Berrisch hatte 1861 die Dernbacher Schwestern nach Brühl geholt und ihnen ein kleines Krankenhaus zunächst an der Belvederestraße, später an der Uhlstraße eingerichtet. Auf der Höhe der Ville begann gegen Ende der sechziger Jahre der moderne Braunkohlenabbau und es wurde die erste Brikettfabrik errichtet, in der im März 1870 das erste Braunkohlenbrikett nach einem neu erfundenen Verfahren gepreßt wurde.

Kaplan Loerper erkannte wahrscheinlich mehr als die Brühler Handwerker, die er für seine Gedanken begeisterte, diese Zeichen der Zeit. Er schritt zur Tat und gründete den katholischen Gesellenverein Brühl. Er gab dieser Gründung seine Gedanken mit auf den Weg, d. h. den Auftrag Adolph Kolpings zur Erziehung und Bildung des jungen berufstätigen Menschen, also vornehmlich des Handwerkergesellen, nach christlich sozialer Ausrichtung. Über die ersten Jahrzehnte des Brühler Gesellenvereins wissen wir heute kaum noch etwas. Kaplan Loerper blieb in Brühl bis 1886. Er hat sich zweifellos bemüht, den Erziehungs- und Bildungsauftrag Adolph Kolpings nach Möglichkeit zu verwirklichen. Es kam allerdings zunächst der deutsch-französische Krieg und damit der erste Rückschlag für die junge Kolpinggemeinschaft. Etwa um 1873 begann Kaplan Loerper mit Fortbildungskursen, die er in der Form einer Fortbildungsschule im Rahmen des Gesellenvereins organisierte und für die er Volksschullehrer heranholte. Dieser erste Versuch einer Fortbildungs- bzw. Berufsschule in Brühl war nicht von langer Dauer; er überstieg die Möglichkeiten des jungen Vereins. Kaplan Loerper verließ Brühl 1886 und wurde Pfarrer in Haaren bei Aachen, wo er sich auch wieder auf sozial-caritativem Gebiet sehr stark betätigte und u.a. die Errichtung eines Krankenhauses betrieb.

Initiator Dechant BerrischDer Gesellenverein in Brühl wurde, ohne seiner eigentlichen Aufgabe der Weiterbildung des Handwerksgesellen untreu zu werden, bald ein geachteter Faktor im gesellschaftlichen und kulturellen Leben in Pfarrei und Stadt. Er pflegte das Laienspiel, führte Fortbildungskurse fachlicher und allgemeinbildender Art durch und richtete um die Jahrhundertwende eine Unterkunft für wandernde Gesellen in der Gaststätte Kirsch an der Uhlstraße, seinem langjährigen Vereinslokal, ein. Der Gastwirtsfamilie Kirsch gebührt für die jahrzehntelange Betreuung des Vereins heute noch Dank und Anerkennung.

Der Gesellenverein in Brühl hat das Ziel, das er sich bei der Gründung gestellt hatte, nämlich die Errichtung eines eigenen Hauses als Jugendwohnheim und Ausbildungszentrum, nie aus den Augen verloren.

Er wurde mehrmals sehr aktiv in dieser Richtung, wenn sich die geeigneten aktiven Persönlichkeiten ihm zur Verfügung stellten. Ein solcher aktiver Mann war der Schreiner und Möbelhändler Wilhelm Zingsheim, der lange das Seniorenamt inne hatte. Aber auch der im Jahre 1920 verstorbene Brühler Dechant Richard Bertram war ein Freund des Kolping-Werkes. So kam es hauptsächlich durch das Bemühen dieser beiden Männer am 15. September 1913 zur Gründung eines Trägervereins für ein neu zu erbauendes katholisches Gesellenhaus. Mitglieder dieses gerichtlich eingetragenen Trägervereins wurden:

Richard Bertram, Oberpfarrer und Dechant, Zimmermeister Engelskirchen, Josef Frohn, Seminaroberlehrer i. R und Beigeordneter d. Stadt, der Rentner Hubert Geuer, Peter Röllgen, Oekonomierat, Uhrmachermeister Peter Klug, Stadtverordneter Ludwig Krüll, Kaplan Lennartz, Justizrat, Notar.

Dechant Bertram stiftete damals zu dem im Gesellenverein bereits angesammelten Baukapital von 4700,- DM aus Anlaß seines silbernen Pfarrjubiläums einen Betrag von 1000,- DM. Alles schien darauf hinzudeuten, daß nun bald mit dem Kolping-Hausbau, für das die Kirche ein Grundstück in der Clemens-Auguststraße zur Verfügung gestellt hatte, begonnen werden könnte. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges am 1. August 1914 machte all diesen Erwartungen ein jähes Ende.

Während des 1. Weltkrieges kam das Vereinsleben zwar nicht ganz zum Erliegen, aber es mußte doch sehr eingeschränkt werden, weil die Mehrzahl der "Gesellen" zum Wehrdienst eingezogen wurden und viele nicht mehr zurückkehrten. Aber schon bald nach dem Kriege lebte die Kolpingschar dank der Aktivität der aus dem Kriege Zurückgekehrten, mächtig auf. Es kam hinzu, daß der Umschwung des gesamten öffentlichen Lebens, der Übergang zur Demokratie und die Wandlungen in unserem sozialen und wirtschaftlichen Gefüge, neue Impulse vermittelten, die insbesondere von dem damaligen Senior Peter Ammel für das Vereinsleben fruchtbar gemacht werden konnten.


Das Josefshaus an der Mühlenstraße


In der Lebendigkeit der ersten Nachkriegszeit wurde am 8. Mai 1921 das goldene Jubelfest feierlich begangen, und wenn man in der Erinnerung sich die Zeit nach dem ersten Weltkrieg noch einmal zu vergegenwärtigen versucht, so mag es scheinen, als ob diese zwanziger Jahre, die ja im allgemeinen im deutschen Kulturleben so fruchtbar waren, auch im Leben des Brühler Gesellenvereines Jahre der fruchtbarsten Betätigung waren. Es wurden Fortbildungskurse abgehalten, es kamen "Zuwanderer", die in Brühl festen Fuß faßten und die Erfahrungen anderer Kolpinggemeinschaften vermittelten, und es wurden gute und eindrucksvolle Theateraufführungen, die großen Anklang fanden, inszeniert. Anregungen kamen nun vom neuen Pfarrherrn, dem unvergessenen Dechant Heinrich Fetten (1920-1949), der die Kolpingsmannschaft zum aktiven Widerstand gegen die beginnende Unmoral in Kino und Presse zu interessieren verstand und damit erreichte, daß der Brühler Gesellenverein im Jahre 1922 ein eigenes Lichtspieltheater im Josefshaus, dem von Dechant Bertram im Jahre 1907 erbauten großzügigen Pfarrheim an der Mühlenstraße, einrichtete. Dieses Kino spielte Sonntag für Sonntag ein einwandfreies Programm und fand in der Bevölkerung starken Anklang.

Ebenso wurden in den Sportgruppen Erfolge erzielt. So wurden, unter anderem, Bezirksmeisterschaften nach Brühl geholt. Starke Impulse gingen auch vom großen Internationalen Gesellentag in Köln im Juni 1922, an dem die Brühler sich fast geschlossen beteiligten, aus. So war es denn fast selbstverständlich, daß bei diesem neuerwachten Leben der zwanziger Jahre auch das alte Anliegen, nämlich die Schaffung eines eigenen Hauses, wieder lebendig wurde. Unter dem rührigen Präses Kaplan Flamm konnte dann im Jahre 1926 ein zwar bescheidenes, aber den damaligen Ansprüchen entsprechendes Heim in Form eines Fertigbaues (Holzhaus auf festem Fundament) im Garten des St. Josefshauses errichtet und am 11.7.1926 feierlich eingeweiht werden.


Jubiläumsfeier zum 80-jährigen


Nach dieser Periode aktiver Arbeit und großer Erfolge kam dann die Weltwirtschaftskrise, die braune Zeit und schließlich der zweite Weltkrieg. Es ging abwärts, aber das Licht ging nicht aus. Daß es auch in der finstersten Zeit weiter leuchtete, ist das ganz besondere Verdienst des damaligen Präses Kaplan Dr. Bister. Er hielt Kontakt mit den Kolpingbrüdern in der Zerstreuung, in Wehrmacht und Evakuierung und ihm ist es hauptsächlich zu verdanken, daß im Frühjahr 1945, als alles in Trümmer lag, und der Verein sein ganzes Hab und Gut verloren hatte, sich wieder Leben regen konnte. So konnte denn der Verein wieder einen neuen Anfang wagen und als er 1950 sein achtzigjähriges Jubelfest beging, tat er es in einer imponierenden Weise mit einer "Jedermann"-Aufführung, einer großzügigen Handwerker- und Heimatschau und einem Festakt von hohem Niveau im großen Belvedere-Saal.

Nachdem die Jugendarbeit in der späteren Nachkriegszeit leider ganz eingeschlafen war, startete man dann im Jahre 1978 einen neuen Anlauf. Unter der Federführung des heutigen Vorsitzenden Hermann-Joseph Münch wurden zwei neue Jugendgruppen aufgebaut, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem großen Erfolg entwickelten. Mehr als 30 Jugendliche fanden innerhalb eines halben Jahres den Weg zur Kolpingsfamilie.


Schloß Augustusburg einmal anders: Marzipankunstwerk der Bäckerinnung


Auch die Bildungsarbeit wurde in den 80´er Jahren wiederum zu neuem und sehr erfolgreichem Leben erweckt. Diese Aktivitäten fanden denn auch die verdiente Anerkennung durch die Stadt Brühl, die die Kolpingsfamilie als ´kulturtragenden Verein´ anerkannte und eine Förderung durch die Stadt genehmigte. Mit mehr als 50 Veranstaltungen pro Jahr findet das Programm der Kolpingsfamilie Aufnahme in das offizielle Bildungsprogramm und den Brühler Kulturkalender. Hiervon zeugen eine Vielzahl verschiedener Vorträge (z.B. Sach- und Diavorträge), Exkursionen (u.a. nach Paris, Amsterdam, Düsseldorf Münster und Limburg), Werksbesichtigungen (z.B. AKW Mülheim Kärlich, Orgelbaufirma Kleis, ...), Besuche in Theatern und Musicals (z.B. Starlight-Express), Filmvorführungen (z.B.: ´Jesus-Christ Superstar´, ´Club der toten Dichter´, ´Dschungelbuch´); aber auch die allmonatliche Abendandacht gehört ebenso zum Programm, wie eine jährliche Wallfahrt zum Marienheiligtum in Kevelaer, zum Grabe Adolf Kolpings und auch unsere Vortragsreihe zur Fastenzeit. Auch politisch ist man stets ´up to date´ und bekennt sich zu den Grundwerten unserer Demokratie, was Podiumsdiskussionen (z.B. vor Wahlen), die Vorträge namhafter Politiker, unsere Exkursionen zu Land- und Bundestag und die Beteiligung an der Initiative für Völkerverständigung beweisen. Daß bei all dieser Programmfülle auch die Geselligkeit innerhalb der Kolpingsfamilie nicht zu kurz kommt, dafür stehen der traditionelle Herbstball und weitere gesellige Veranstaltungen ähnlicher Natur.

1989 wurde dann ein neues Kapitel in der Geschichte der Kolpingsfamilie eingeläutet: Mit der Umwandlung in die Rechtsform des eingetragenen Vereines passte man sich den geänderten Zeiten an und schaffte auch rechtlich die notwendige juristische Absicherung des Vereines, der sich seitdem ´Kolpingsfamilie Brühl 1870 e.V.´ nennt. Am 14.11.1989 wurde diesem Verein seitens des Finanzamtes Brühl die Anerkennung als ´gemeinnützigen Zwecken dienend´ erteilt, womit der Prozess der Umwandlung seinen Abschluß erreichte.

Seit einem Jahr hat die Brühler Kolpingsfamilie einen eigenen Schaukasten vor der Pfarrkirche St. Margareta im Herzen unserer Schloßstadt. Hier präsentiert man sich und sein Programm der Brühler Öffentlichkeit. Denn wie stets in der langen Geschichte der Vereinigung, zieht man sich nicht aus der Öffentlichkeit zurück.

Einhundertfünfundzwanzig Jahre sind nun um. Einhundertfünfundzwanzig Jahre sind im Ablauf der Weltgeschichte nur eine kurze Spanne, aber für das Menschenleben eine lange Zeit. Es haben in diesen einhundertfünfundzwanzig Jahren Wandlungen fast auf allen Ebenen menschlichen Zusammenlebens stattgefunden und die Welt sieht heute anders aus, als zur Zeit Adolf Kolpings und zur Zeit Kaplan Josef Loerpers. Aber die Menschen brauchen heute wie damals Hilfe und Wegweisung. Adolf Kolping war Seelsorger und Sozialpädagoge. Die Menschen von heute brauchen beides, den Seelsorger und den Lehrer. Die Kolpingsfamilie hütet sein Erbe auch in Brühl. Und so ist der Weg in Richtung des nächsten Jahrtausends der christlichen Zeitrechnung denn fest vorgezeichnet. Die Formen des geselligen und vereinsmäßigen Tuns mögen sich wandeln, wie sie sich auch bisher gewandelt haben. Es geht um den Menschen, um den jungen Mensehen, um seine Würde und seine Stellung zu Gott und zum Mitmenschen und um seine Aufgabe, in Familie und Gemeinschaft, in Kirche und Staat, Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu tragen. Adolf Kolping hat den Weg gewiesen, die Kolpingsfamilie wird sich getreu ihrer bisherigen Tradition bemühen, Kolpings Geist lebendig zu halten und ihn weiter zu geben!


Sollte dieser Bericht Ihr Interesse geweckt haben, und Sie mehr über Adolph Kolping, das Kolpingwerk, oder unsere Kolpingsfamilie erfahren möchten, so zögern Sie nicht, uns anzusprechen!

Sie erreichen uns wie folgt:

Kolpingsfamilie Brühl 1870 e.V.Adolph Kolping
Königstraße 23
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